Montag, 20. März 2017

Nicht schlecht

Einst verbotene Gladbacher Ultràgruppe wiederbelebt

Scenario Fanatico Fahne in Florenz.<br />Bild: Nordkurvenfotos.de
Scenario Fanatico Fahne am Samstag beim Heimspiel gegen Schalke in der Nordkurve (zwischen Sottocultura und Bökelberg Fahne).<br />Bild: Nordkurvenfotos.de
 Die Scenario Fanatico Fahne in Hamburg.<br />Bild: hsv-ev.de
 
Das 1998 gegründete Scenario Fanatico wurde am 25. Juli 2001 durch Holger Spiecker, damals Fanbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach, verboten. Das Scenario Fanatico war damit die erste deutsche Ultràgruppe, die vom eigenen Verein verboten wurde. Nun wurde das Scenario Fanatico wiederbelebt.
 
Beim Europa League Auswärtsspiel in Florenz, anschließend beim Bundesligaspiel in Ingolstadt und beim Pokalspiel in Hamburg hingen die Zaunfahnen der Mönchengladbacher Ultràgruppe wieder. Am Samstag war erstmals wieder eine Scenario Fanatico Zaunfahne bei einem Heimspiel von Borussia Mönchengladbach zu sehen.
 
Wie Faszination Fankurve aus Mönchengladbacher Fankreisen erfuhr, wurde das Scenario Fanatico durch einige ältere Ultras wiederbelebt und tritt seit dem Spiel in Florenz wieder offiziell als geschlossene Gruppe auf. Das Scenario Fanatico ist demnach als Teil der Mönchengladbacher Ultràszene aktiv.

Die Presseabteilung von Borussia Mönchengladbach bestätigte auf Nachfrage von Faszination Fankurve, dass die Zaunfahnen des Scenario Fanatico bei Heimspielen von Borussia Mönchengladbach erlaubt sind und das Verbot der Gruppesymbole aus dem Jahr 2001 keine Gültigkeit mehr hat. Das heutige Scenario Fanatico sei demnach eine Gruppe unter neuer Zusammensetzung, die den Namen der damaligen Mönchengladbacher Ultràgruppe übernommen habe.
 
Borussia Mönchengladbach betont, dass das Verbot kurz nach der Jahrtausendwende vor allem wegen wenigen problematischen Personen innerhalb des Scenario Fanaticos ausgesprochen wurde, vor allem soll es um eine Person gegangen sein. Da die problematischen Personen nicht Teil des wiederbelebten Scenario Fanaticos sein sollen, sind die alten Zaunfahnen der Gruppe auch bei Heimspielen erlaubt. Im Borussia-Park hing am Samstag erstmals eine Zaunfahne des Scenario Fanaticos, da die Fohlenelf bis zum Verbot der Gruppe noch am Bökelberg spielte.
 
2001 wurde das Verbot des Scenario Fanaticos mit einem Unterwanderungsversuch innerhalb der Fanszene begründet. „Grund war ein aufgedeckter Unterwanderungsversuch innerhalb der Fanszene Mönchengladbachs, vor allem im neu gegründeten AGAF (Aktionsgemeinschaft aktiver Fans und Fan-Clubs) die zukünftig unter dem Namen 'Mönchsbande' auftritt. Obendrein wurden handelnde Personen des Fanprojekts hintergangen und für ihre eigenen 'Ziele' missbraucht. Scenario Fanatico hatte in ihrem Diskussionsforum bewusst zu strafbaren Handlungen innerhalb diverser deutscher Stadien aufgerufen und wollte bewusst die Förderung durch das Fanprojekt und durch Borussia zum Eigenzweck ausnutzen, die Mitgliederzahl ständig erhöhen und so am Ende, auch mit Gewalt, der Szene ihren eigenen Stempel aufdrücken“, hieß es in der damaligen Stellungnahme des Fanprojekts Mönchengladbach e.V. (heute FPMG Supporters Club).
 
Neben dem Gruppenverbot wurden 2001 vier Stadionverbote mit einer Gültigkeit von bis zu fünf Jahren gegen Personen des Scenario Fanaticos ausgesprochen. Drei der Betroffenen sollen „verantwortliche Personen“ in der Gruppe gewesen sein. Laut Vereinsangaben sind diese Leute aber nicht an der jetzigen Wiederbelebung der Gruppe beteiligt. Schon 2005 erklärte Thomas Ludwig, Vorsitzender des FPMG Supporters Club, gegenüber Faszination Fankurve, dass die ehemaligen Mitglieder des Scenario Fanatico größtenteils erfolgreich in die Strukturen des Mönchengladbacher Fanszene wiedereingegliedert wurden und in der Mönchengladbacher Ultràszene aktiv sind.

Das Scenario Fanatico meldete sich 2001 ebenfalls zu dem Verbot zu Wort und bestritt für das Abbrennen von Pyrotechnik in dieser Zeit verantwortlich gewesen zu sein. „Wenn Rauchtöpfe und bengalische Feuer bei Spielen abgebrannt wurden, so wurde dies von Einzelpersonen durchgeführt. Hierbei handelte es sich nicht um eine vorher geplante, besprochene und finanziere Fanclubaktion. Intern wurde gerade in der jüngsten Vergangenheit die Durchführung von Pyroaktionen sehr kritisch gesehen“, erklärte die Gruppe damals in einem Brief an das Fanprojekt, in dem zudem Erpressungsversuche und Aufrufe zu Gewalt und Straftaten bestritten wurden. Weiter kritisierte das Scenario Fanatico damals, dass das Verbot auf Vorwürfen basierte, die auf interne Postings aus dem eigenen Mitgliederforum zurückgingen, die nur durch ein Eindringen in das Forum und durch die Verletzung von Persönlichkeitsrechte der Mitglieder, nach außen drangen.
 
Nach dem Verbot des Scenario Fanatico entwickelte sich die Mönchengladbacher Ultràszene bei der zu dieser Zeit aus der Taufe gehobenen Mönchsbande, bevor sich circa zwei Jahre später die Ultras Mönchengladbach gründete. Am 20. März 2008 lösten sich die Ultras Mönchengladbach nach fast fünf Jahren Gruppengeschichte auf, nachdem deren Heimzaunfahne in den Händen der Kölner Wilden Horde landete. Später im Laufe des Jahres 2008 wurde der Block 1900 als eine Art Dachverband der Mönchengladbacher Fanszene ins Leben gerufen, mit ultràorientierten Gruppen wie Begleitservice, Obsession Ultra und Banda Sud. Der Block 1900 zog in die Mitte des Oberrangs im Borussia-Park, bevor man kurze Zeit später aus Kapazitätsgründen in den Eckblock des Oberrangs wechselte.
 
2009 kam die Gruppe Sottocultura hinzu. Zur Saison 2012/2013 zog der Nordkurven e.V. bzw. der Block 1900 zurück in die Mitte des Unterrangs im Borussia-Park, wo die Mönchengladbacher Ultràszene bis heute beheimatet ist. In den letzten Jahren entwickelte sich Sottocultura gemeinsam mit der Jugendgruppe Ascendente zu führenden Großgruppe in der Mönchengladbacher Ultràszene. Der Nordkurve e.V. wurde zum Sottocultura-Förderkreis und unterstrich die Vormachtstellung von Sottocultura. Mit der Wiederbelebung des Scenario Fanaticos ist die Mönchengladbacher Ultràszene nun um eine Gruppe reicher. (Faszination Fankurve, 06.03.2017)
 

Samstag, 18. März 2017

Opava vs Banik

Remi Gaillard

Club Atletico Tucuman

Jorge Wilstermann (Bolivien)


Flamengo Rio

Nacional Montevideo

Wieder ein Traditionsbetrieb weniger

Marke Trünkel bleibt erhalten

Die Traditionsfleischerei Trünkel sperrt nach 111 Jahren im April zu. Sechs der neun verbliebenen Filialen sind bereits übergeben. In zwei Wochen wird die Produktion in Erdberg eingestellt. Die Marke soll aber erhalten bleiben.
 
„Die Schließung läuft wie geplant. Sechs Filialen sind bereits abgegeben worden, zwei davon an Mitbewerber Wiesbauer, der Rest an Imbissbetreiber. Die verbliebenen Filialen am Viktor-Adler Markt, in der Quellenstraße und der Schottenpassage schließen in zwei Wochen“, sagt Geschäftsführer Hans Trünkel gegenüber wien.ORF.at. Die Produktion in der Baumgasse, in der etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt sind, wird ebenfalls „in zwei Wochen zugemacht“.

„Gab viele einvernehmliche Kündigungen“

Im Dezember war bekanntgeworden, dass die Traditionsfleischerei zusperrt. Trünkel hatte 98 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung zum Jahresende angemeldet - mehr dazu in Fleischerei Trünkel sperrt im April zu. „Es gab viele einvernehmliche Kündigungen“, so Trünkel. Man könne alle Gehälter, Sonderzahlungen und Abfertigungen zahlen und „bleibe niemandem etwas schuldig“.
Fleischerei Trünkel
 
Ursprünglich hatte Trünkel 25 Filialen betrieben
 
Die Marke Trünkel werde erhalten bleiben. „Mein Bruder Michael wird einige Produkte nach unserem Rezept weiter fertigen lassen. Vertrieben werden sie im Großhandel“, sagte Trünkel. Auch aus den Supermarktregalen soll die Marke nicht verschwinden. „Zum Beispiel bleiben unsere Sacherwürstel weiter im Handel gelistet.“

„Es geht nicht mehr um den Qualitätsanspruch“

Die Betriebsschließung ohne Insolvenz erklärt Trünkel folgendermaßen: „Der Umsatz in der Fleischbranche wird von wenigen Handelsketten bestimmt. Es gibt an jeder Ecke einen Supermarkt. Es geht um den Preis, es geht nicht mehr um den Qualitätsanspruch.“
Das Unternehmen habe zuletzt ein Drittel seines Umsatzes verloren und in den letzten fünf Jahren Verluste erwirtschaftet. Zuletzt machte der Jahresumsatz rund 15 Millionen Euro aus. Es habe auch keine Interessenten für eine Übernahme gegeben. Trünkel lege Wert auf die Feststellung, dass das in vierter Generation geführte Familienunternehmen „niemals öffentliche Fördergelder erhalten hat“.
 

Unterhaus mit wenigen Zuschauern ?

Fußballspiel mit einem Zuseher: Betrugsverdacht

Nach einem Testspiel zwischen dem FCJ Alt-Ottakring und dem 1. FC Bisamberg, hat das Bundeskriminalamt Ermittlungen eingeleitet. Auf die Partie konnte live gewettet werden. Zu dem Spiel am 2. März war nur ein Zuschauer gekommen.
Wettskandal oder Zufall: Was sich in den vergangenen zwei Wochen beim FCJ Alt-Ottakring zugetragen hat, ist jedenfalls skurril. Alt-Ottakring (sechste Liga) hatte den niederösterreichischen 1. FC Bisamberg (siebente Liga) zu einem Freundschaftsspiel geladen.

Mysteriöser Zuschauer am Spielfeldrand

Bisamberg konnte nicht mit seiner besten Mannschaft anreisen. Die Ottakringer erfuhren das erst kurz vor Spielbeginn. „Die Kampfmannschaft hatte in dieser Woche schon zwei Testspiele absolviert. Die Spieler haben sich regenerieren müssen“, sagt Franz Holzer, Sektionsleiter des 1. FC Bisamberg gegenüber „Wien heute“. Deshalb kam die Reservemannschaft mit einigen Jugendspielern zum Einsatz. Alt-Ottakring gewann mit 14-0.
 
Es soll keine Zuschauer gegeben haben – bis auf einen Mann, der laufend auf seinem Handy tippte. Rene Alscher, Obmann des FCJ Alt-Ottakring, war darüber verwundert: „Ich hab ihn gefragt, was er da macht, ob er mit jemandem befreundet oder verwandt ist. Er hat mir gesagt, dass er das Spiel mittickert.“ Offenbar arbeitete der Mann für einen Wettanbieter. Denn als Alscher am nächsten Tag im Internet nachforschte, fand er mehrere Wettportale, auf denen das Spiel offenbar angeboten worden war.

Falsches Endergebnis auf Wettanbieter-Seite

Auf das Freundschaftsspiel konnte bei mehreren ausländischen Wettanbietern gesetzt werden, mindestens einer von ihnen hatte einen falschen Endstand angegeben. Laut der montenegrinischen Website „Cloudbet“ endete das Spiel 10-0 für Alt-Ottakring. Man wolle nicht sagen, aus welcher Quelle das Ergebnis stamme, so Cloudbet: „Diese Informationen geben wir nicht weiter. Bei solchen Spielen kann es aber in seltenen Fällen zu einer Diskrepanz beim Endergebnis kommen.“ Tatsächlich hätten „einige Leute“ auf die Partie gesetzt: „Solche Wetten sind durchaus populär.“
Sachverständiger Markus Knasmüller ist Experte in Sachen Wettbetrug. Er hat mehrere Gutachten zu Wettskandalen in Österreich erstellt und Cloudbet ein bisschen näher unter die Lupe genommen. Es sei möglich gewesen, dort live auf das Spiel zu wetten, sagt Knasmüller: „Das ist sehr ungewöhnlich. Noch dazu trifft dieser Anbieter die Auswahl der Freundschaftsspiele tatsächlich so, dass hier ein Schwerpunkt auf Spielen zwischen österreichischen Vereinen der sechsten und siebenten Liga vorhanden ist.“

Sandro aus der Schweiz

Der mysteriöse Zuschauer und das falsche Ergebnis auf der Website verwunderten Rene Alscher. Was aber dann geschah, veranlasste ihn endgültig dazu, den Fall beim Bundeskriminalamt zu melden. „Zwei, drei Tage später läutet plötzlich mein Mobiltelefon. Es ist eine Schweizer Nummer und jemand stellt sich als Sandro vor“, erzählt Alscher. „Er wollte wissen, wie das Spiel ausgegangen ist. Ich habe ihn gefragt, warum ihn das interessiert. Wir haben eigentlich keine Fans in der Schweiz.“
Sandro habe gemeint, er hätte mit einem Bekannten des gegnerischen Vereines über den Ausgang gewettet: „Er wollte eine Bestätigungs-Mail, dass das Spiel tatsächlich so ausgegangen ist.“ Danach schickte Alscher Sandro einen Link, der zum Endergebnis auf der Website des FCJ Alt-Ottakring führte. Als Sandro damit nicht zufrieden war und weiterhin auf eine persönliche Bestätigung pochte, reichte es Alscher. Er meldete den gesamten Fall dem Bundeskriminalamt, das bereits Ermittlungen eingeleitet hat.

„Solche Spiele sind leichter zu manipulieren“

„Sandro aus der Schweiz“ wiederholte im Telefoninterview seine Version der Geschichte. Es sei bei der Wette mit einem Freund um ein Luxus-Abendessen im Wert von 300 Franken gegangen. Allerdings sei er sich nicht mehr sicher, ob sein Freund tatsächlich Kontakt zu Bisamberg habe. Er wollte weiterhin eine Bestätigungsmail zum Endergebnis.
Experte Knasmüller will anhand der Indizien keine definitive Einschätzung abgeben. Zu Wettbetrug in niedrigen Spielklassen hat er aber eine klare Meinung: „Ganz klar sind solche Spiele leichter zu manipulieren, als Pflichtspiele in höheren Ligen. Spieler verlieren im Regelfall nur ungern. Wettbetrug heißt, dass ich freiwillig oder gegen Bezahlung verliere. Das mache ich in Freundschaftsspielen natürlich viel eher, als in wichtigen Pflichtspielen.“

Verwunderung bei Bisamberg

Beim 1. FC Bisamberg kann man sich die Vorkommnisse nicht erklären: „Ich traue unseren Spielern wirklich nicht zu, dass sie ein Testspiel manipulieren oder sich bestechen lassen“, sagt Sektionsleiter Holzer überrascht und kritisiert, dass auf so ein Spiel überhaupt gewettet werden kann.
Nach der Meldung der Vorfälle ist nun das Bundeskriminalamt am Zug, dass sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen zu der Causa nicht äußern wollte.
Michael Hammerl, wien.ORF.at