Sonntag, 26. Januar 2014

Auch so kann man die Geschichte vom Freitag sehen und erzählen.....

FPÖ-Akademikerball:
8.000 marschieren gegen Nazi-Ball und trotzen Polizei-Terror


 
 
Nur 400 Faschisten trafen sich in der Wiener Hofburg zum »FPÖ-Akademikerball«, während eine Armee aus Polizisten tausende wütende Antifaschist_innen mit Pfefferspray auf den Straßen terrorisierte.

Holocaust-Überlebende, ehemalige Partisan_innen, Gewerkschafter_innen, lokale Sozialdemokrat_innen und Grüne, Schüler_innen und Studierende, insgesamt 8.000 Menschen, demonstrierten am 24. Jänner gegen die deutschnationalen Burschenschafter und die FPÖ. Junge und Alte, Eltern mit ihren Kindern, gingen mit selbst gebastelten Schildern und einer ordentlichen Portion Wut im Bauch gingen auf die Straße und wehrten sich gegen den Staat und die Medien, die die Proteste im Vorfeld als »gewalttätig« delegitimieren wollten.

»Wir haben das Recht, heute hier zu demonstrieren«, meinte Rudolf Gelbard, Überlebender der Konzentrationslagers Theresienstadt. »Das werden wir immer wieder machen, wenn wir eine Gefährdung der Demokratie sehen. Es gilt die Losung aus dem spanischen Bürgerkrieg –¡No pasarán!«

Faschistische Eliten



Der Ball war in den vergangenen Jahren weitaus größer und beherbergte die Crème de la Crème von Faschisten aus ganz Europa wie Marine Le Pen (Front National, Frankreich) und Mitglieder der italienischen Lega Nord und der Schwedendemokraten. Die Verkaufszahlen schwinden seit die jährlichen Proteste den faschistischen Charakter der deutschnationalen Studentenverbindungen offenlegen.

Deren Mitglieder spielten eine führende Rolle im NS-Regime und organisierten in erster Reihe den Holocaust. Männer wie Irmfried Eberl, Kommandant des Vernichtungslagers in Treblinka, werden in jährlichen Ritualen von den Burschenschaftern geehrt. FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und die meisten freiheitlichen Kader stehen in dieser Tradition.

Die Polizei, die stark von FPÖ-Mitgliedern unterwandert ist, versuchte die Faschisten und ihre Veranstaltung zu beschützen. Sie verbot einen Protest auf dem Heldenplatz vor der Hofburg, zu dem Holocaust-Überlebende aufgerufen hatten. Der Heldenplatz hat einen äußerst symbolischen Charakter. »Ich war zwar erst sechs Jahre alt, aber auch mich hat das betroffen, wie alle am Heldenplatz dem Hitler zugejubelt haben«, erinnert sich die KZ-Überlebende Dora Schimanko und fragt: »Sind wir heute auch schon wieder bald so weit?«

Zwei weitere Protestzüge wurden vom linken Studierendenbündnis »Offensive gegen Rechts« und Autonomen organisiert. Insgesamt 2.000 Polizisten errichteten eine bewaffnete Festung in der Innenstadt. Die Polizei erklärte eine Fläche so groß wie 45 Fußballfelder zur völligen Sperrzone. Journalist_innen wurden von der Polizei zensiert und die Berichterstattung aus der Hofburg und von den Protesten beinahe unmöglich gemacht.

Blockaden und Polizeiterror



Die Protestierenden waren entschlossen ihr Demonstrationsrecht durchzusetzen. Trotz der weiträumigen Sperrzone war es einfach, die Polizeibarrikaden zu durchbrechen und die Hauptzufahrtstraßen, in denen Taxis Ballgäste anliefern wollten, zu blockieren. Gruppen der türkischen Linken, österreichische Kommunist_innen und Sozialist_innen (Linkswende, sozialdemokratische Jugendorganisationen und weitere) standen an vorderster Front.

Die Polizei wollte die Blockaden auseinandertreiben und attackierte die Proteste mit Schlagstöcken und literweise ätzendem Pfefferspray. Polizisten griffen junge und vor allem weibliche Demonstrantinnen zuerst an. Menschen organisierten Rettungsteams, die Wasser und Milch zum Auswaschen der Augen herbeischafften. Demonstrant_innen riefen »Wiener Polizisten schützen die Faschisten.«

Antifaschist_innen hielten der Polizeibrutalität stand und bereiteten den Nazis so eine Niederlage.

Offensichtlich wurde auch die entscheidende Schwäche der antifaschistischen Bewegung. Es gab drei voneinander unabhängige Initiativen, die gegen den Ball mobilisierten. Wenn wir es mit der Polizei aufnehmen wollen, müssen alle Antifaschist_innen, unabhängig von ihrer politischen Überzeugung, zusammenarbeiten und eine Bewegung aufbauen, die die Nazis aus dem Parlament und der Hofburg werfen kann.

von David Albrich