Sonntag, 26. Dezember 2021

Milan


Die vermutlich grösste Faninvasion in der Geschichte des Europacups: Am 24. Mai 1989 sahen über 90.000 Rotschwarze in Barcelona das Endspiel gegen Steaua Bukarest (Endstand: 4-0 Milan). In 2 Sonderzügen, 36 Fliegern, 600 Bussen und über 10.000 Autos pilgerten die Milanisti nach Spanien um den 3. EC Titel der "Grande Milan" zu erleben. 

 

Sonntag, 19. Dezember 2021

Pozsonyi Ujvarosi LE

Im vorherigen Beitrag habe ich das Eröffnungsspiel am ersten FAVAC - Platz erwähnt. Ich will hier noch ein wenig, soferne ich etwas darüber gefunden habe, vertiefen. Nämlich den damaligen Gegner, Poszonyi Ujvarosi Labdarugo Egyeszület, der Fussballvereinigung der Pressburger Neustadt. 

Leider gibt es wenige Informationen über diesen Verein, speziell auf Deutsch bzw. Englisch. Die beiden slowakischen Autoren Stefan Maslonka und Ksinan Josef haben 1988 das Buch Zlatá kniha futbalu na Slovensku, Šport, Bratislava herausgebracht, welches nur in slowakischer Sprache erhältlich ist. Leider liegt mir dieses Buch nicht vor, die hier verarbeiteten Erkenntnisse stammen von der Seite "Hadtudomanyi Szemle von Peter Bucka, Bp. 2014. 

Als gesichert gilt, das der Verein im Jahre 1907 gegründet wurde, ich konnte allerdings bisher noch kein Vereinswappen und/oder eine Vereinsfarbe genau eruieren, da das einzige Foto, das mir zur Verfügung steht, in Schwarzweiss ist. Logisch. 

Pozsony wurde im Zuge der Türkenkriege 1563 ungarische Haupt- bzw. Krönungsstadt und blieb dies bis 1830. Die heutige Budapester Corvinus Universität wurde 1824 in Pozsony gegründet. Die heutige Slowakei wurde bereits 907 Teil des ungarischen Königreiches und blieb dies bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Damit verbunden ist auch der Fussball in der Slowakei eng mit Ungarn verknüpft.

Der vermutlich erste ungarische Verein auf slowakischem Gebiet war der Presover Verein - Eperjesi Torna és Vívó Egylet (ETVE), gefolgt vom Kassai AC aus Kosice. Beide Vereine gibt es schon lange nicht mehr.

In Pozsonyi wurde ab spätestens 1907 eine erste Meisterschaft gespielt, gesicherte Ergebnisse einer reinen Stadtmeisterschaft gibt es ab 1910. Im Anschluss an diesen Text findet man - soweit rekonstruierbar - eine Aufstellung dieser Meisterschaften, an denen Pozsonyi Ujvarosi LE teilnahm. 

1907

1908

1909

1910

1911

1912

1913


Mit Beginn des Ersten Weltkrieges kam die Meisterschaft zum Erliegen, eine Meisterschaft 1914 wurde nicht mehr ausgespielt. Pozsonyi Ujvarosi LE nahm immer wieder mal eine "Auszeit" aus dem Ligaalltag, welche Ursache dies hat, ist nicht bekannt. 

Erst im Jahre 1917 nahm Pozsonyi Ujvarosi wieder an einer regionalen Meisterschaft teil, diesmal mit Vereinen aus dem heutigen ungarischen Kernland. 

1917 Halbsaison

1917/18

1918 - bis Kriegsende


Die nächste große Zäsur in der Meisterschaftsgeschichte war der Zerfall der K.u. K. Monarchie, die Slowakei, Felvidek vereinigte sich mit der Tschechei (Böhmen und Mähren) zur Tschechoslowakei (CSR). 

Damit verbunden ergab sich eine neue Situation: Aus Pozsonyi wurde Bratislava, aus einem Königreich eine Republik mit neuer Amtssprache. Die ungarischen Vereine versuchten trotzdem, ihre Meisterschaft weiterzuspielen und firmierten unter dem Namen Szlovák Labdarúgó Szövetséget (SLSZ – Slowakische Fussballvereinigung). Insgesamt 86 ungarische Vereine gründeten am 12. Oktober 1919 diesen Fussballbund, der allerdings nicht lange Bestand hatte.

Ein Grund, warum dieser Verband gegründet wurde war sicherlich der im Heimatland tobende Bürgerkrieg - Bela Kuns Räterepublik geriet immer mehr unter innerem und äusserem Druck - und die Tatsache, dass die ungarische Identität als nunmehrige Minderheit erhalten werden sollte. 

1919-20


1921

Mit der Gründung der Československá asociace fotbalová, ČSAF am 11. September 1921 war aber auch dieser Verband eigentlich Geschichte. Es gab ihn zwar noch, aber nur als einen von vier Verbänden. Neben dem tschechischen Verband mit Mittelpunkt Prag, den slowakischen Verband, den deutschen Verband und eben den ungarischen Verband. Der wichtigste war selbstverständlich der tschechische Verband, seine Vereine spielten die eigentliche Meisterschaft aus. Zwischen den slowakischen und den ungarischen Verbandsmeisterschaft wurde schlußendlich die slowakische Amateurmeisterschaft ausgespielt. 

Quellen:

[PDF] HADTUDOMÁNYI SZEMLE - UNI-NKE - Free Download PDF (hugepdf.com)

Claudio Nicoletti | Claudio Nicoletti's site on European Club Cups and Domestic Leagues

www.magyarfutbal.hu 

ČSAF



Unser Platz

 

Als am 24. September 1921 die Presse die Eröffnung der Kennergasse 3 (damals auch irrtümlich mit Nummer 4 betitelt) verkündete, hatte die lange Suche nach einem Fussballplatz endlich ein Ende. Der Favoritner Athletik Club war zuhause angekommen.

Die Geschichte des FAVAC ist eine Geschichte des Bezirkes. Am 1.8.1910 aus der Taufe gehoben, im Dezember dem Fussballverband beigetreten, haben die Rotschwarzen nie die großen Erfolge ihrer Nachbarn Hertha, Rudolfshügel und FC Wien erreichen können, waren aber immer ein Bezirksverein. Ihren ersten Platz auf der berühmten Steinmetzwiese, 1911 angemietet konnten sie 1912 einweihen, das erste Spiel gegen Poszonyi Ujvarosi Labdarugo Egyeszület 1907, damals in der Videki Bajnoksag – Dunantuli Kerület, Poszonvideki alostaly (Gebietsliga, Transdanubien, Bezirksliga Pressburg) ansässig, ging unentschieden aus. Dieser erste Platz mit Eingang in der Gudrunstraße konnte aber nur bis 1915 behalten werden, danach beschlagnahmte die K.u.K. Armee das Gelände und errichtete darauf das Kriegsspital No. 5.

In manchen Publikationen über diese Zeit wird der erste FAVAC-Platz immer wieder mit jenem der Hertha verwechselt. Hertha Wien spielte lange Zeit an der Laaerbergstraße, dem heutigen Leopold-Böhm-Park, ehe sie im Oktober 1917 an der Adresse Quellenstraße 73 (und nicht 24, wie manche meinen – dort war das Wohnhaus von Matthias Sindelar) ein Stadion errichteten. In einer Zeit, wo Krieg und Armut herrschte, ein bemerkenswerter Fakt.

Den alten Herthaplatz übernahmen danach einige andere Vereine wie die „Favoritner Lyon“, die „Favoritner Bewegungsspieler“ und auch der FAVAC spielte zeitweise dort, wenn sie nicht am Südsternplatz, dem späteren FC Wien Platz (heute eine Wohnhausanlage mit innen gelegenem Park) ihre Packln zerrissen. Vielleicht kommt aus dieser Tatsache die Verwechslung zwischen der Steinmetzwiese und dem Herthaplatz.

Jedenfalls, an diesem 24. September 1921 wurde der Platz eröffnet: Die Stehplatztribünen waren aus dem Aushubmaterial des Amalienbades geformt (bzw. wurden daraus geformt, da der Bau des Amalienbades 1922 begann), es gab ein kleines Kassenhäuschen am heutigen Eingang samt Umkleideraum und einen großen, 120 x 80 Meter messenden Rasen. Dazu muss man wissen, dass die Mindestmaße der damaligen Plätze um einiges größer waren als heute, aus diesem Grund durfte der Rennweger SV 1911/12 auch nicht an der Meisterschaft der damaligen 1. Klasse teilnehmen. Wobei – der heutige Rennwegerplatz wurde erst 1919 eröffnet. Es ist alles ein bischen verworren in dieser Zeit und für Interessierte heutzutage nur schwer zu recherchieren. Ebenso das Datum und der Gegner der ersten Partie auf dem neuen FAVAC-Platz. Die dazugehörigen Unterlagen sind entweder im Krieg verschollen oder von einem anderen „Historiker“ zwecks Sicherung anderswo deponiert worden. Man weiß es einfach nicht. Leider ist das Archiv des Wiener Fussballverbandes – trotz mehrmaliger Nachfrage – für diese Recherchen nicht geöffnet. Schade eigentlich.

Der FAVAC Platz war zu dieser Zeit noch fast komplett „im Freien“, sprich nicht von Wohnhäusern umgeben. Diese kamen erst in den Jahren 1925 bis 1935 bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg hinzu. Die Laaerbergstraße hieß damals noch Laaer Straße und war von Fussballplätzen gesäumt. Heute tut man sich schwer, diese Plätze am Plan zu finden, so stark hat sich das Stadtbild hier verändert. Die Südosttangente tut ein Übriges zu dieser Verwirrung.

Die erste große Sanierung des Platzes fiel in den Aufstieg des FAVAC im Jahre 1935 – damals war man erstmals erstklassig. Leider zog sich diese Sanierung über das gesamte Jahr hin, sodass das eigentliche Eröffnungsspiel gegen die Wiener Austria auf fremden Platz ausgetragen werden musste.

Dann brach der Zweite Weltkrieg  aus und der Spielbetrieb zum zweiten Mal nach 1914 zum Erliegen. Die Männer mussten einrücken, viele kamen – wie schon im letzten Weltkrieg - nicht mehr zurück. Der Platz war in Mitleidenschaft gezogen, die letzten Kämpfe um Wien, die gerade in Favoriten heftig waren (nach dem Krieg stellte man fest, dass Favoriten der am meisten zerstörte Bezirk Wiens war) forderten ihren Tribut. Im Buch „Die Schlacht um Wien“ findet man ein Bild einer russischen Granatwerferstellung neben dem Platz, dahinter der zerstörte „Farbenkastlbau“. Ulli Fuchs und Wolfgang Slapansky beschreiben in ihrem Buch „Trümmer und Träume“ die harten Nachkriegsjahre und illustrierten sie mit Fotos des zerstörten Bezirkes.

Laut Zeitzeugen versuchten die Russen nach dem Krieg kurzzeitig, Kartoffeln auf dem Platz zu züchten, scheiterten aber. Dies könnte daraus resultieren, dass ein Teil des Platzes über einer alten Zisterne – von ca. 1880 bis Ende des Ersten Weltkrieges war in der Nähe eine chemische Fabrik – liegt. Wie auch immer, spätestens 1947 hatte der FAVAC wieder eine schlagkräftige Mannschaft, die im Wiener Fussball mitmischte.

Die alten Gebäude waren bald zu klein und Anfang der 60er Jahre, genauer zwischen 1962 und 1964 bekam der Platz die heute noch charakteristischen Gebäudeensembles, die in den 80ern noch einmal erweitert wurden. In diese zweite Bauphase fiel auch die Schaffung eines neuen Rasens (der FAVAC Platz hatte davor jahrzehntelang einen Rote-Erde-Platz), Bürgermeister Leopold Gratz eröffnete diesen im September 1979.

Wenn alles gut geht, ist mit Anfang 2022 dieser Rasen Geschichte, derzeit wird am Platz ein Kunstrasen verlegt.

Die 80er und 90er Jahre waren die zweiten Goldenen Zeiten des Vereines, Aufstieg in die zweite Liga, Aufstieg in die erste Liga, Stadthallensieg, Einzug ins Halbfinale des ÖFB Cups – all das kostete Geld, das der Verein nicht hatte. Um den Spielbetrieb trotzdem auf diesem Niveau halten zu können, wandten sie sich an Alle, die ihnen Geld versprachen. Leider haben sie dieses Geld nie wirklich bekommen.

Das Ergebnis: man war pleite. In diese Zeit fiel dann auch dank der Bezirkspolitik der Bau des heute so markanten Gebäudes an der Laaer-Berg-Straße. 1999 fertig geworden, hat es dem Verein, wie man so schön sagt, „den Arsch gerettet“. Inklusive Tribüne, die nur leider nicht im ursprünglichen Bauplan eingezeichnet war und die es deshalb bis 2001 offiziell nicht gab. Typisch Wienerisch.

Als die Tribüne dann endlich baulich abgenommen war, stieg der FAVAC wieder in die Stadtliga auf.

Zunächst eine reine Stehplatztribüne, bekam sie Ende der 2000er Jahre durch einen Sponsor die alten Klappstühle des Hanappistadions (wie übrigens auch den Spielertunnel), die im Ursprungszustand belassend, elegant angelehnt wurden. Einige Jahre konnten sich die ehemaligen Dauerkartenbesitzer aus Hütteldorf „ihren“ Sessel am FAVAC-Platz angucken. Heute gibt es richtige, angeschraubte Sitze. Ein Verdienst des derzeitigen Obmannes.

Derzeit wird der Platz wieder massiv umgebaut, der Rasen bekommt einen Kunstbelag, die letzten Reste der Stehplatzwälle werden vermutlich auch neu konzipiert und entlang der Kantinenfront ist nun neben einer Sitzbankreihe auch eine Veranda mit Getränkeausschank verankert. Die Container des Fanshops gibt es seit den 90er Jahren.

Leider konnte pandemiebedingt das hundertjährige Jubiläum des Platzes nicht gefeiert werden, trotzdem ist unser Platz einer der ältesten, ununterbrochen bespielten Plätze Wiens und vermutlich der älteste noch existierende in Favoriten selber.