Sonntag, 8. Juli 2012

Schwabinger Krawalle

Als "Schwabinger Krawalle" gingen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Münchner Polizei im Juni 1962 in die Geschichte ein. Als am Abend des 21. Juni 1962 einige Jugendliche nach 22.30 Uhr auf der Strasse vor der Ludwig-Maximillians-Universität Gitarre spielten, riefen erboste Anwohner die Polizei. Sie versuchte, die Jugendlichen zu verhaften, was deren Widerstand erzeugte. Als immer mehr Jugendliche kamen, setzte die Polizei, die mit mehreren Hundertschaften anrücken mussten, rücksichtslos Schlagstöcke ein, die Schlacht zwischen den Jugendlichen und der Polizei dauerte insgesamt 4 Tage, dabei wurden an die 400 "Randalierer" festgenommen und teilweise zu geringen Geldstrafen verurteilt. Anzeigen gegen die Polizei wegen übertriebener Härte blieben erfolglos. Es waren dies die ersten grossen Auseinandersetzungen zwischen den aufstrebenden Jugendbewegungen und der Ordnungsmacht in Deutschland, wobei die Jugendlichen keinerlei politische Forderungen stellten sondern nur um die soziale Selbstbestimmung kämpften. An den Krawallen beteiligte sich übrigens ein gewisser Andreas Baader - er sollte in späteren Jahren noch eine grosse Rolle im politischen Kampf in Deutschland spielen. im Zuge dieser Auseinandersetzungen wurde vom späteren Münchner Polizeipräsidenten Schreiber erstmals eine Strategie der Deeskalation ausprobiert ("Münchner Linie").

Andreas Baader der als 19jähriger an den Krawallen teilgenommen hatte war später einer der Drahtzieher der "ROTE ARMEE FRAKTION", die für insgesamt 34 politische Morde in Deutschland verantwortlich war. Als Gründungstag gilt die Befreiung Andreas Baaders vom 14. Mai 1970, wo er von Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und anderen während eines Freigangs (er war wegen gefährlicher Brandstiftung - er hatte Brandsätze in Kaufhäusern angebracht um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren - verurteilt worden) im "Deutschen Zentralinsitut für Soziale Fragen" befreit wurde. Unter dem Vorwand, sie möchte mit Andreas Baader ein Interview machen hatte Ulrike Meinhof diese Befreiung geplant. Der Institutsangestellte Georg Linke wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Baader gründete dann mit Ulrike Meinhof die sogenannte "Baader-Meinhof" Bande. Diese war aber nur eine von mehreren Zellen der RAF, der insgesamt etwa 60 - 80 Mitglieder angehörten. 27 von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben, darunter auch Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Während Meinhof sich schon am 9. Mai 1976 erhängte, nahmen sich die anderen in der sogenannten "Todesnacht von Stammheim" am 18. Oktober 1977 das Leben. Bis heute ist nicht ganz klar, wie es Rechtsanwalt Arndt Müller gelungen sein soll, zwei Pistolen in das Hochsicherheitsgefängnis zu schmuggeln. Die drei begingen jedenfalls Selbstmord, als bekannt wurde, das die entführte Lufthansamaschine "Landshut" am Flughafen von Entebbe gestürmt und drei Entführer getötet wurden. Vorher hatten die Entführer noch den Flugkapitän Jürgen Schuhmann ermordet. Mit dem Tod der Terroristen war die sogenannte "Erste Generation" ausgelöscht.

Die RAF stellte mit einem Schreiben an die Nachrichtenagentur "Reuters" in Köln am 20. April 1998 offiziell ihre Tätigkeiten ein. Fast 28 Jahre lang hielt sie Deutschland in Atem.

„Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“

Das Grab von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe



* Das ist übrigens der 1000. Post auf diesen Blog !