Dienstag, 5. Juli 2011

Otto von Habsburg 20.11.1912 bis 4.7.2011

Serbien muss Sterbien......

So war das Credo mit dem die Truppen der Donaumonarchie vor 97 Jahren mit fliegenden Fahnen in den Ersten Weltkrieg gezogen sind. Damals wie heute ging es um die Erhaltung von Macht, um Rache, Eroberung und Revanche. Die klassischen Faktoren für einen Krieg. Federführend waren die Militaristen beider Mittelmächte, einerseits jene des Kaiserreiches Deutschland und – in ihrem Kielwasser die der Donaumonarchie. „Jeder Schuss a Russ´“ – unter diesem Motto fanden jahrelang die Kaisermanöver in Galizien statt, bei den Deutschen hiess es „Jeder Stoß´ a Franzos´“ – immerhin der der Krieg gegen den Erbfeind im Westen erst einige Jahrzehnte her und zugleich die Geburtsstunde des Kaiserreiches und damit des alldeutschen Nationalismus, Wegbereiter des Nationalsozialismus. Inmitten dieses Irrsinns war ein damals knapp eineinhalbjähriger Junge, der durch die Umstände des Attentats auf den Thronfolger Franz Ferdinand und seiner Gattin Sophie am 28. Juni 1914 in den unmittelbaren Kreis der Thronanwärter rückte: Otto von Habsburg, am 20. November 1912 in Reichenau an der Rax geboren wurde durch die Tatsache, dass sein Vater plötzlich Thronfolger des greisen Franz Joseph I. – zu diesem Zeitpunkt immerhin schon 84 Jahre alt – wurde auf einmal zu dessen Nachfolger aufrückte. 1916 trat er die Stelle seines zum Kaiser von Österreich und König von Ungarn gekrönten Vaters an, zum Kaiser selber brachte er es aber nie, da die Donaumonarchie im November 1918 zerbracht und die Familie Habsburg 1919 aus Österreich flüchten musste. Aufgrund der damaligen Bundesverfassung, die die Adelstitel verbot durfte kein Mitglied des Kaiserhauses – das ja nie auf den Titel sondern nur auf die Regierungsgeschäfte verzichtet hatte – nach Österreich einreisen. Erst 1966 wurde dieses Verbot aufgehoben. 

Otto selber war zeit seines Lebens ein überzeugter Europäer und Demokrat, ein stetiger Warner gegen den Faschismus sowie des Kommunismus und bezeichnete den Fall der Berliner Mauer und den damit verbundenen Zusammenbruch des Ostblockes als sein schönstes Erlebnis als Politiker. Seit 1950 war er Parlamentarier, zuerst in Bayern danach im EU-Parlament und hatte einen gehörigen Anteil daran, dass aus „seinem Vielvölkerstaat“ die Europäische Union wurde.

Am Montag  hat das Herz dieses überzeugten Europäers zu schlagen aufgehört. Wir verneigen uns vor einem grossen Mann, der – wenn er gekonnt hätte – das „Gesicht“ Europas wohl noch weit mehr verändern hätte können.