Flora Sanders,
geboren am 22. Jänner 1876 in Nether Poppleton, Yorkshire war die einzige
britische Staatsbürgerin, die im Ersten Weltkrieg an der Front diente – und
zwar in der königlich serbischen Armee. 1914 meldete sie sich zunächst
freiwillig für die britische Armee, wurde allerdings nur als Ambulanzfahrerin
eingesetzt. Dies war ihr aber zu wenig, sie wollte kämpfen. Bereits am 12.
August 1914 verliess sie mit 36 anderen Frauen England, um Serbien zu helfen.
In Kragujevac fuhr sie dann auch für das Rote Kreuz Verwundete und machte auch
den Rückzug der serbischen Armee nach Albanien mit. Während des Rückzuges wurde
sie von ihrer Einheit getrennt, als sie Verpflegung herschaffen sollte und
gelangte zu den kämpfenden Truppen, wo sie – um Sold und Essen zu bekommen –
als serbischer Soldat eingetragen wurde. Sie kämpfte fortan Seite an Seite mit
den serbischen Soldaten und wurde 1916 bei der Offensive gegen das von den
Bulgaren besetzte Bitola (Monastir) durch eine Handgranate schwer verletzt.
Nach ihrer Genesung kämpfte sie weiter und wurde zum Oberfeldwebel, später
sogar in den Rang eines Hauptmannes erhoben. Ausserdem bekam sie den höchsten
serbischen Orden, den „Stern des Hauses Karadorde“ verliehen. Noch während
dieser Zeit schrieb sie ihre Autobiografie über die Zeit bei der serbischen
Armee. Die Erlöse ihres Buches spendete sie der serbischen Armee um damit den
Soldaten mehr Komfort zu gewähren. Das Oberkommando der serbischen Armee
entschied, sie als erste Frau zum Hauptmann zu befördern und gleichzeitig von
der Front abzuziehen, da sie einen immensen moralischen Schaden für die
Soldaten im Falle ihres Todes befürchtete. Offiziell wurde ihre Verwundung und
damit verbundene Frontuntauglichkeit ins Feld geführt. Im Oktober 1922 wurde sie schliesslich demobilisiert
und kehrte nach England zurück, wo sie fünf Jahre später ihren Mann, den
ehemals zaristischen (und danach „weissen“) General Yuri Judenitsch heiratete.
Das Paar lebte einige Zeit lang in Frankreich, bis sie schliesslich nach
Jugoslawien siedelten. 1941 wurden beide anlässlich der Invasion durch die
Deutschen einberufen, konnten aber nicht mehr einrücken. Kurzzeitig interniert,
wurden beide auf Ehrenwort entlassen wurden. Judenitsch erkrankte und starb
noch im selben Jahr, Sanders durfte nach England ausreisen. Sanders starb am
24. November 1956 im 81. Lebensjahr in Ipswich.