Donnerstag, 24. April 2014

Fussball von den Gebrüdern Moped erklärt

Gastkommentar der Gebrüder Moped: “Schwuler, schwuler WSK”, intonierten am Dornbacher Sportclubplatz einst die sprachlich wohl raffiniertesten AnhängerInnen der Regionalliga Ost, die Fans des FAC-Team für Wien. Adressat der informativen Botschaft: der Heim-Sektor, die Fans des Wiener Sportklubs auf ihrer “Friedhofstribüne”. Klare Botschaft, übersichtlich formuliert, eingängiger Vortrag in Liedform – lässig!
Die dumpfbackigen Sportklub-Fans waren trotzdem nicht im Stande, diese einfache Message richtig zu interpretieren. Im Gegenteil: Sie blökten in ihrer grenzenlosen Naivität den Slogan eins zu eins nach und stimmten in den Chor der etwa 10 FloridsdorferInnen einfach ein. Nun also schallte die klare Botschaft rund um die sexuelle Orientierung des Wiener Sportklubs in aller Lautstärke durch Dornbach. Tausend WSK-Fans gröhlten: “Schwuler, schwuler WSK!”
Ein von den Gästen mustergültig aufgebauter Dialog-Versuch in Sachen Homophobie-Nachhilfe scheiterte kläglich an den intellektuellen Defiziten der Gastgeber. Sitzpinkler, setzen – Nicht Genügend! “Schwuler, schwuler FAC!”, hätte die Antwort heißen müssen! Und der Herr Stadionsprecher verkündete obendrein, dass homophobe Sprüche im Stadion nicht erwünscht seien. Ja, wo kommen wir denn da hin?
Fußball ohne Gewalt – wie ein Gulasch ohne Saft
Eine Entwicklung, die in den letzten Jahren in Wien leider stetig zunimmt: Vereine negieren ihre Verantwortung um Traditionspflege im Fanverhalten und zertrümmern die grundlegenden Eckpfeiler gepflegter Fußball-Kultur. Allen voran eben der Sportklub und das Wiener Urgestein Vienna, der First Vienna Football Club.
Beide Vereine wagen es, vom einfachen Zuseher Geld zu verlangen, obwohl so gut wie nichts geboten wird. Gut, es gibt Bier, und manchmal wird sogar richtiger Fußball gespielt. Aber das war’s dann schon. Der zahlende Fan wird einfach abgezockt. In der Regel in beiden Stadien kein Rassismus, kein Antisemitismus, kein Sexismus, keine Homophobie, keine Schlägereien, keine Bedrohungen, keine Vermummungen. Ja, wozu soll ich dann bitte auf den Platz gehen?
Da wird gescherzt, gesungen und die eigene Mannschaft angefeuert ohne den Gegner zu diffamieren. Volksfeste rund ums Stadion, überdurchschnittlich viele weibliche Fans auf den Tribünen, Eltern, die ihren Kindern nicht erklären müssen, warum der gegnerische Goalie dem Schoß einer Prostituierten entstamme. Und nach dem Spiel nicht einmal eine Polizeieskorte am Weg zu den Öffis. Geht’s bitte noch langweiliger! Der schlechte Schiedsrichter erhält lediglich jugendfreie Spitznamen und Niederlagen nimmt man selbstironisch, während der gegnerischen Mannschaft applaudiert wird – aus Respekt!

Da bleiben wir lieber bei den Wiener Traditionsvereinen. Da kann man auch hin gehen, bekommt Bundesligafußball und das gesamte Paket menschlicher Kommunikation geboten. Wenn hier die Fans sich gegenseitig Homosexualität vorwerfen, wird klar Stellung bezogen und nicht geduckt. Und der einfache Zuseher kann sich innerhalb weniger Augenblicke ein klares Bild verschaffen: Die Austria- und Rapid-Fans sind heterosexuell, versteht sich. Alle. Immer. Nur.