Samstag, 6. August 2011

Deutschlands bunter Osten: VFC PLAUEN

Der Vogtländische Fußball-Club Plauen ist ein Fußballverein aus dem sächsischen Plauen. Die Vereinsfarben sind Gelb-Schwarz. Der Verein hatte am 1. Januar 2009 643 Mitglieder. Schon vor dem offiziellen Gründungsdatum, vermutlich seit Oktober 1901, trug laut regionaler Presse ein „Vogtländischer Fußballklub“ ab und an Freundschaftsspiele gegen regionale Gegner aus. Einige Hinweise sprechen dafür, dass es sich um den direkten Vorläufer des VFC 03 Plauen gehandelt hat. Offiziell wurde der VFC Plauen am 27. Mai 1903 im Plauener Restaurant „Deutsche Flotte“ gegründet. Der VFC ist damit heute der älteste noch bestehende Fußballclub des gesamten Vogtlandes. Die Vereinsfarben des Clubs waren bis 1945 Blau und Gelb. Am 2. August 1903 kam es zum ersten Spiel unter der Bezeichnung 1. V.F.C. 03 Plauen gegen SpVgg ATV Hof (0:2). Ab Oktober 1904 nahm der VFC an den Meisterschaftsspielen im Verband Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine (VMBV) teil. Er spielte in der 2. Klasse des VMBV Gaues I, Gegner waren u. a. Wacker Leipzig II, VfB Leipzig II und Hohenzollern Halle. Damit war der VFC bereits seit 1904 offizielles Mitglied des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB). Ab 1905 spielte der VFC in der neu geschaffenen 1. Gauklasse Südwestsachsen, die damals höchste regionale Spielklasse. Die Meister der Gauklassen ermittelten in K.-o.Spielen den Mitteldeutschen Meister, der wiederum um die deutsche Meisterschaft spielte. Von 1907 bis 1914 wurde der VFC in die neu geschaffenen 1. Gauklasse des Kreises Vogtland eingegliedert. Dort musste er sich stets mit 2. und 3. Plätzen zufriedengeben. Die Saison 1914/15 schien endlich die Wende zu bringen - ungeschlagen lag der VFC an der Tabellenspitze, dann wurde wegen des 1. Weltkrieges die Meisterschaft abgebrochen. Während des Krieges war der VFC einer der wenigen Clubs im Vogtland, die in der Lage waren, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Bei den beiden Kriegsmeisterschaften im Vogtland 1916 und 1917 siegte jedoch jeweils der Lokalrivale Konkordia Plauen. 35 VFC-Spieler aller Männermannschaften starben auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges. Nach dem Krieg teilte der VMBV seine Ligen zum wiederholten Mal neu auf. Der VFC spielte nun im neu gebildeten Fußballkreis Westsachsen. Platzierungen im vorderen Mittelfeld wurden erreicht. Nach vier Spielzeiten kehrte der Verband wieder zu der alten Ordnung zurück, der VFC spielte wieder in der 1. Gauklasse Vogtland. Im Sommer 1921 traf der Club auf den amtierende deutschen Meister 1. FC Nürnberg und verlor vor über 6000 Zuschauern mit 0:6 gegen die halbe deutsche Nationalmannschaft dieser Zeit. Trotzdem wurde der VFC zu einer festen Größe im Gau Vogtland, wenn man sich zunächst auch immer wieder den Stadtrivalen Konkordia und Plauener SpuBC geschlagen geben musste. Legendär ist der Streit mit Konkordia Plauen um den Vogtlandgau-Meistertitel 1926, den der VFC am grünen Tisch verlor. Eine goldene Zukunft versprach man sich durch die Jugendteams des VFC, die Abonnement-Meister im Gau wurden. Die Männer errangen 1930 und 1932 endlich den Gaumeistertitel des Vogtlandes und qualifizierten sich für die Endrunde zur Mitteldeutsche Meisterschaft. 1931 wurde der VFC zusätzlich vor Beendigung der Relegationsspiele gegen Grünbach als Teilnehmer der VMBV-Endrunde bestimmt. Die Erfolge in der Endrunde: 1930 Achtelfinale (Aus gegen SV 08 Steinach), 1931 Achtelfinale (Aus gegen den Dresdner SC), 1932 Viertelfinale (Aus gegen den PSV Chemnitz). 1931 und 1932 scheiterten die Plauener jeweils gegen den späteren Mitteldeutschen Meister. 1932/33 wurde Plauen Vizemeister. Zum 30-jährigen Bestehen im Mai 1933 war der FC Bayern München als noch amtierender deutscher Meister zu Gast. Das spiel endete vor etwa 6000 Zuschauern 0:4. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 änderte sich mit der Saison 1933/34 auch die Fußball-Landkarte Deutschlands. Das alte Kreis-System wurde abgeschafft, 16 Fußballgaue eingerichtet, deren jeweils höchste Klasse die Gauliga war. Die 16 Gaumeister ermittelten in K.o.-Runden direkt den deutschen Meister. Der VFC wurde der Gauliga Sachsen zugeordnet. Hoffnungslos überfordert, stieg die Mannschaft als Vorletzter sofort wieder ab. Es war vorläufig das letzte Jahr in der Geschichte des VFC, in der er in der höchsten Liga seiner Zeit mitspielte. Ab 1934 konnte die Mannschaft in der Bezirksklasse Plauen/Zwickau nicht mehr an ihre große Zeit anknüpfen und erreichte nur Plätze zwischen 3 und 10. Im neu geschaffenen Tschammer-Pokal, dem Vorläufer des DFB-Pokals kam der VFC nie über die erste Hauptrunde hinaus. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wurden die Grenzen der Ligen enger gesetzt. Der VFC spielt wieder gegen seine alten Gegner in einer neu geschaffenen Bezirksklasse Vogtland. Wieder wurde man mehrfach 2. und 3. der Meisterschaft. Erst im Dezember 1944 gelang wieder der Gewinn der Meisterschaft. Plauen gewann beide Finalspiele mit 6:0 und 3:0 gegen den Bezirksmeister der Vogtlandstaffel II SpVgg Falkenstein. Alle bürgerlichen Vereine der sowjetisch besetzten Zone wurden am 31. Oktober 1945 aufgelöst und enteignet. Die endgültige Liquidierung des VFC wurde allerdings erst 1948 durchgeführt. Die Spieler und Verantwortlichen des ehemaligen Clubs, die den Krieg überlebt hatten, fanden sich bald wieder zusammen und konnten auf Kreisebene Fußball spielten. 1946/47 wurde der Spielbetrieb unter dem Namen SG Plauen-West in der Bezirksklasse Vogtland wieder aufgenommen. Mit der Einrichtung von Betriebssportgemeinschaften (BSG) wurde die SG am 31. August 1949 in die BSG Sachsenverlag Plauen umgewandelt. 1950 schlossen sich Teile der ZSG Zellwolle Plauen der BSG Sachsenverlag an. Nachdem bisher die ZSG Zellwolle bzw. der Vorgänger SG Plauen-Süd im regionalen Spielbetrieb die Nase vorn gehabt hatte, vertrat mit Beginn der Fußballsaison 1950/51die BSG Sachsenverlag den Plauener Fußball in der Landesliga Sachsen und wurde auf Anhieb Sächsischer Meister. Damit qualifizierten sich die Vogtländer für die zweitklassige DDR-Liga, wo sie künftig als Rotation Plauen antraten. Bereits in ihrer ersten Ligasaison wurde die BSG überraschend Dritter. 1954 fertigte man vor 14.000 Zuschauern den amtierenden DDR-Fußballmeister Turbine Erfurt in dessen Stadion mit 4:1 ab. 1955 wurde die SDAG Wismut neuer Trägerbetrieb der BSG, die sich daraufhin Wismut Plauen nannte. Der neue Name brachte jedoch keinen Erfolg, als Tabellen-Vorletzter musste Plauen im April 1955 in die viertklassige Bezirksliga Karl-Marx-Stadt absteigen. 1956/57 qualifizierte sich Wismut Plauen für die neue II. DDR-Liga, die dann 1962/63 aber wieder aufgelöst wurde. Trotz eines 2. Platzes musste Wismut wieder in die Bezirksliga absteigen. Am 1. Januar 1963 gab es mit der Werkzeugmaschinen-Fabrik VEB WEMA Plauen erneut einen Trägerbetrieb-Wechsel und mit Motor Wema Plauen wieder einen neuen Namen. Nach zwei Endspielen gegen die BSG Motor Brand-Langenau (2:1, 1:1) gelang mit der Bezirksmeisterschaft 1964 und einem 2. Platz in der Qualifikationsrunde der Aufstieg in die I. DDR-Liga. Nachdem Wema Plauen als Neuling mit Platz 11 den Klassenerhalt in der Ligastaffel Süd relativ sicher geschafft hatte, wurde für die neue Spielzeit der Kader kräftig verstärkt. Vom Oberligisten Wismut Aue kamen der bereits in der Oberliga eingesetzte Wolfgang Uhlig (25 Jahre) sowie die Nachwuchsspieler Heinz Krieger (22) und Peter Marquardt (23). Vom Oberligisten Motor Zwickau wurden der ebenfalls oberligaerfahrene und neunfache Junioren- und Nachwuchsnationalspieler Klaus Enold (24) und das Nachwuchstalent Ulrich Maul geholt. Vom SC Karl-Marx-Stadt schloss sich Jürgen Thomaschewski (24), der ebenfalls schon auf Oberligaeinsätze verweisen konnte. Bis auf den jungen Maul wurden alle Zugänge umgehend zu Stammspielern, konnten jedoch nicht verhindern, dass Plauen nach Abschluss der Hinserie nur auf einem Mittelfeldplatz landete. Schuld daran war vor allem die Auswärtsschwäche, von 16 möglichen Punkten wurden lediglich fünf erkämpft. Im November 1965 stieß der 31-jährige Hans Speth zur Mannschaft, der Erfahrung aus 232 Oberligaspielen (u. a. in Rostock und Zwickau) und zwei A-Länderspielen mitbrachte. Mit ihm als Regisseur stabilisierte sich das Spiel der Plauener vor allem im letzten Drittel der Saison. Vom 24. bis zum 30. dem letzten Spieltag, blieb Wema Plauen ungeschlagen und holte zehn der 14 möglichen Punkte und landete schließlich auf dem 3. Tabellenplatz, nach 1952 erneut die beste Platzierung in der 13-jährigen Zugehörigkeit in der DDR-Liga. Dieser Erfolg wurde durch die Heimstärke der Mannschaft erkämpft, die zehn der 15 Spiele im Vogtlandstadion gewann. Dabei genossen die Spieler ein für DDR-Liga-Verhältnisse überragenden Zuschauerzuspruch. Im Durchschnitt kamen 7500 Zuschauer zu den Heimspielen. Am Ende lag Plauen mit sieben Punkten Differenz deutlich hinter dem Aufsteiger Wismut Gera, doch war die Bilanz der beiden Spiele gegeneinander mit 1:2 und 1:0 Punkten ausgeglichen. Gegen die noch vor Plauen platzierte BSG Motor Steinach blieb man mit 2:2 und 2:1 sogar ungeschlagen. Der 53-jährige Trainer Herbert Melzer konnte auf ein ausgeglichenes Team bauen, sechs Spieler des 19-köpfigen Kaders waren in 90 und mehr Prozent der Spiele dabei. Mit Werner Bamberger hatte er einen zuverlässigen Torschützen, 20 der 56 Plauener Treffer gingen auf sein Konto, mit denen er auch Torschützenkönig der DDR-Liga wurde. In den folgenden Jahren pendelte Motor Wema in der DDR-Liga zwischen Mittelfeld und der unteren Tabellenhälfte. Nach der Saison 1972/73 stieg die Mannschaft mit dem drittletztem Tabellenplatz wieder in die Bezirksliga und 1978 nach erneuter Umbenennung in Motor Wema/Aufbau Plauen sogar in die Bezirksklasse ab. Der Wiederaufstieg wurde jedoch nach zwei Jahren geschafft. In der Saison 1982/83 verpasste Wema/Aufbau nach zwei klaren Niederlagen (0:4 und 0:5) gegen Aufbau dkk Krumhermersdorf die Bezirksmeisterschaft und damit den möglichen Wiederaufstieg in die DDR-Liga. In der letzten Bezirksligasaison unter DFV-Regie 1989/90 erreichten die Plauener Platz 2 und qualifizierten sich damit für die neu geschaffene Landesliga Sachsen, jetzt wieder unter ihrem ursprünglichen Namen VFC Plauen.