Freitag, 11. November 2016

Das älteste Wiener Hotel

Bildergebnis für hotel stefanie
Bildergebnis für hotel stefanie
 
Bildergebnis für hotel stefanie
 
Bildergebnis für hotel stefanie
 
Es war jüdisches Bethaus, Wohnheim russischer Soldaten – und lang davor ein Einkehrgasthof. Die Geschichte des Hotels Stefanie in der Taborstraße geht bis ins Jahr 1600 zurück.
 (Die Presse)
Man wusste, dass sie lang ist, die Geschichte des Hotels. Sehr lang sogar. 1638, das war bekannt, da im Wiener Sterbebuch vermerkt, kam hier vor dem damaligen Hotel ein Bierlieferant ums Leben, als er vom Kutschbock fiel.

 
Dass die Geschichte des Hotels Stefanie in der Taborstraße aber noch viel weiter zurückreicht, hat dann doch alle überrascht, erzählt Martin Schick, der das Hotel, das seit 1888 im Familienbesitz steht, in vierter Generation führt. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 15. Jahrhundert: Laut Grundbuch – man sieht, die pedantische Wiener Bürokratie reicht weit zurück – hat um das Jahr 1430 der spätere Bürgermeister Hanns Haringseer auf jenem Grund gewohnt, auf dem heute das Hotel Stefanie steht.
 
Der erste „Gastgeb“ (Herbergswirt), auch das belegen Grundbucheinträge, führte im Jahr 1600 hier einen Herbergsbetrieb. Seit diesem Jahr bis heute – 416 Jahre also – gibt es am Standort durchgehend einen Hotelbetrieb, wie erst seit Kurzem bekannt ist: Damit darf sich das Hotel Stefanie nun offiziell „ältestes Hotel Wiens“ nennen.
 
Das ist gerade in Zeiten, da Wien nicht eben unter einem Mangel an gehobenen Hotels leidet – das Stefanie hat vier Sterne – natürlich keine schlechte Sache. Im Gegenteil, sagt Peter Buocz, General Manager des Hotels. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal: Das älteste Hotel kann es schließlich nur einmal geben.“ Seit man damit gezielt wirbt, sagt Buocz, sei das Interesse am Hotel gestiegen, immer wieder kämen Touristen herein, um das Hotel zu fotografieren.
 
Ans Licht gekommen ist die überraschend lange Geschichte des Stefanie durch die Historikerin Marion Luger, die von Schick beauftragt worden war, die Geschichte des Hotelstandorts aufzuarbeiten. Herausgekommen ist nach fast einem Jahr Recherche ein Bildband voller alter Urkunden, Stadtpläne und Bilder, der nicht nur die Geschichte des Hotels nachzeichnet, sondern auch die Wiener Stadtgeschichte – besonders jene der Leopoldstadt – miterzählt.