Montag, 15. Juli 2013

RB und das Sommerloch

Konzernphilosophie


Red Bull ist wiedereinmal in aller Munde, zumindest im ASB. Wie immer gibt es dort eine Diskussion Tradition vs. Red Bull Konzept (Moderner Fussball). Und wie immer kommt sie zu keinem Ergebnis. Wie auch. Hier die Verfechter des Klubfussballs alter Coleur, dort die Jünger einer Konzernstrategie. Red Bull hat ja mittlerweile mit RB Salzburg, FC Liefering und dem FC Pasching gleich drei Teams in den ersten drei Ligen Österreichs, dazu noch – ich nenne es das vierte Team noch eine komplette Nachwuchsriege, deren Spieler dann offenbar auf die drei Erwachsenenteams aufgeteilt werden sollen. Weltweit hat Red Bull in Leipzig, New York, Salzburg, Ghana und Brasilien Fussballteams, wobei letztere nur Nachwuchsakademien sind, die offenbar dem Zweck dienen, Spieler für die grossen Mannschaften zu liefern. Ein Fertigprodukt made in „Red Bull“ sozusagen. Daneben haben sie in Österreich noch mit EC Red Bull Salzburg ein Eishockeyteam und nicht zu vergessen die beiden Formel 1 Teams Red Bull und Torro Rosso. All das wird durch das Getränk finanziert, dessen Besitzer, Dietrich Mateschitz vor rund 30 Jahren eine geniale Idee hatte als er 1982 in Thailand ein belebendes Getränk namens Krating Daeng kennenlernte, adaptierte und 1987 als Red Bull in den Verkauf brachte. Vor allem in der jungen, hippen Sportler- und Discoszene machte er damit schnell Karriere und sponsterte immer mehr Sportevents. 2005 erreichte er damit auch den Fussball und übernahm den maroden österreichischen Erstlegisten SV Austria Salzburg. Am 6. April übernahm die Red Bull GmbH die Salzburg Sport AG. Ein neues unrühmliches Kapitel in der Fussballgeschichte wurde begonnen. Die kritische Fanszene wurde vor den Kopf gestossen und verbannt, man verlangte von den übriggebliebenen sowie neu hinzukommenden Fanclubs sogenannte „Fancharters“ ohne die es eine offizielle Anerkennung, verbunden mit Goodies, nicht gab und änderte nicht nur Namen sondern auch Vereinsfarben. Violett war seitdem in Wals Siezenheim nicht mehr gerne gesehen, es musste das Rot-Weiss-Blau des Konzerns sein. In der ersten Saison fuhr der Verein ein brutales Marketingkonzept, verschenkte Dauerkarten, hofierte willfährige Fanclubs und verprellte somit viele altmodisch denkende Fans im ganzen Land. Der „alte“ SV Austria Salzburg wurde wieder zum Leben erweckt und streitet sich seitdem mit Red Bull um die Originalität von Namen und Titeln (SV Austria Salzburg wurde am 3. Juni 2005 in einer mehr als umstrittenen Hauptversammlung offiziell in Red Bull Salzburg umbenannt). Grund dafür war ein Statement bei der Hauptversammlung, wonach der neue Besitzer sagte: „Keine Kompromisse. Das ist ein neuer Klub. Es gibt keine Tradition, es gibt keine Geschichte, es gibt kein Archiv.“ (http://derstandard.at/2131208?seite=3) Bis heute gibt es darüber keine Einigung, einige Red Bull Fanclubs verwenden weiterhin demonstrativ die alten Farben, was den Anhängern von SV Austria Salzburg verständlicherweise sauer aufstösst, auch wenn sich RB Salzburg mittlerweile wieder als Weiterführung des alten SV Austria Salzburgs sieht, was die Fronten im Originalitätsstreit weiter verhärtet. Dietrich Mateschitz lässt das kalt, er nutzt gnadenlos jede Lücke in den Verbandsvorschriften aus und installierte mit dem FC Liefering in der zweiten Liga ein Farmteam sowie in der dritten Liga mit dem FC Pasching (Cupsieger 2013) einen weiteren Verein. Damit macht er, was er in der Geschäftswelt auch macht: er positioniert seinen Konzern so, dass keiner mehr an ihm vorbeikommt. Ob er will oder nicht. Sehr zum Ärger der Fans, die einfach nur Vereinsfussball sehen wollen und keinen von oben gesteuerten Meisterschaftsbetrieb, in dem dann die Mannschaft gewinnt, deren Fans am bravsten waren. Heuer sah man sowas beim Cupsemifinale, wo Red Bull Salzburg „überraschend“ gegen den FC Pasching verlor, der wiederum den Meister Austria Wien besiegte und nun als zweites RB-Team Österreich im Europacup vertreten darf. Auch so kann man FIFA Regularien ausknocken. Und sein Produkt ganz legal werbewirksam präsentieren. So macht Fussball „Spass“.

 
Hier der STANDARD Artikel noch im vollen Wortlaut:

Red Bull Salzburg: Fronten verhärtet

Fritz Neumann, 6. August 2005, 14:07
Gespräche abgelehnt, Fanbeauftragter dankt ab

Salzburg - Der Wickel der noch nicht so guten neuen Red Bull Salzburg mit den Fans der guten alten Austria Salzburg geht weiter. Er wird so lange weitergehen, lautet eine seitens Red Bulls geäußerte Vermutung, "bis die Mannschaft wirklich gut spielt und auch gewinnt". Das könnte, nimmt man die erste halbe Stunde gegen Rapid als Maßstab, recht bald der Fall sein.

Noch ist sie groß, die Empörung einiger Anhänger. Nun hat sich noch Georg Mayrhauser gemeldet, eigentlich abgemeldet. Mayrhauser war Fanbeauftragter in Salzburg, er hat seine "Tätigkeit aus eigenem Entschluss beendet". Ihm sei klar gewesen, dass Red Bull eine "eigene Philosophie durchsetzen" wolle, doch passe "die Panzermethode eher zu einem totalitären Regime als zur österreichischen (Sport)Kultur". Mayrhauser empört sich darüber, dass ihm von Red Bull Salzburg untersagt wurde, Fanfahrten zu Auswärtsspielen zu organisieren, empört sich auch über 61 Hausverbote, die der Klub teilweise gegen "unbescholtene, willkürlich gewählte Personen" ausgesprochen habe. Red Bull habe mit ihm, Mayrhauser, "keinerlei Kontakt zur Klärung der Situation oder Durchsicht der Namensliste aufgenommen".

Oberstes Anliegen der "Initiative Violett-Weiß", der sich nun auch Mayrhauser anschließen könnte, ist es, die alten Vereinsfarben weiterhin verankert zu sehen. Stephan Huber, Obmann der Initiative, sagte in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten: "Ein Klub hat drei Konstante, den Vereinsnamen, die Farben und die Fans. Wenn zwei davon eliminiert werden, haben die Fans ein Problem." Die Anhänger hatten zunächst "euphorisch" (Huber) auf das Red-Bull-Engagement reagiert, sie waren davon ausgegangen, dass Red Bull neben der Klasse (Bundesliga) auch die Klubfarben erhalten würde. Tatsächlich ist in den Statuten nach wie vor von Violett und Weiß die Rede, gespielt wird aber in Rot und Weiß. Red Bulls Argument: "Red Bull ist kein Sponsor, sondern Eigentümer."

Die Vertreter der Initiative Violett-Weiß beschweren sich darüber, dass der neue Klub die alten Erfolge außer Acht lässt, und hoffen, dass "Red Bull unsere weit ausgestreckte Hand ergreift". Gespräche indes wird es nicht geben, wie Red Bull verlautbaren lässt. "Keine Kompromisse. Das ist ein neues Team, ein neuer Klub. Es gibt keine Tradition, es gibt keine Geschichte, es gibt kein Archiv." (fri, DER STANDARD Printausgabe 2. August 2005)

http://redbulls.com/soccer/salzburg/de/geschichte.html