Sonntag, 19. Februar 2012

Nachtrag Zwei zum "Dörby"











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"Ein dritter Rang ist nicht ausgeschlossen"Rapid Präsident Rudolf Edlinger spricht über den Stadionausbau, warum man in der Europa-League auch nach dem Umbau auswandern könnte und erklärt, wo ihm die Augen rausfallen.

Der Umbau des Stadions, die Errichtung eines Trainingszentrums, sowie die Verlegung der Akademie. Bei Rapid bleibt im wahrsten Sinne des Wortes kein Stein auf dem anderen. Jetzt beginnt man mit der Planung des Hanappi-Umbaus. Präsident Rudolf Edlinger spricht über die kommenden Aufgaben, die architektonischen Hürden, sowie die Perlen, die auf Rapid im Happel-Stadion warten.

Herr Edlinger, ist es die Investition, die sie sich vorgestellt haben und mit der Sie zufrieden sind? Oder haben sie auch - aufgrund der anstehenden Stadionsperre - Angst vor Problemen ?

Rudolf Edlinger: Während der Bauzeit wird es klüger sein, die Spiele anderswo auszutragen. Denn selbst wenn es technisch möglich wäre in Etappen zu bauen, würde das die Bauzeit verlängern. Eine verlängerte Bauzeit bedeutet wiederum höhere Kosten, wir wollen allerdings möglichst rationell bauen, das ist selbstverständlich. Daher werden die Spiele während des Baus woanders ausgetragen.

Ich glaube, dass die Investition eine solide ist, die weit in die Zukunft hineinreicht. Wir bekommen im Prater ein wunderbares Trainingszentrum, wo wir die während der Euro 2008 sanierten Plätze und Räume nutzen können, wobei es dort auch noch zu ergänzenden Bauten kommen muss. Dass wir die Akademie ins Hanappi verlegen, ist für unsere Jungen ganz wichtig, da sie hier im Westen von Wien in die Schule gehen. Sie ersparen sich somit die Fahrzeit in die Südstadt, sprich nach Niederösterreich. Wir konzentrieren also hier die Akademie und sanieren das Stadion, versuchen es auf ein Maximum auszubauen - wobei wir die Zahl erst festlegen müssen. Der Standort hier wird gesichert und unsere Zielsetzung, dass Rapid und Hütteldorf eine Einheit darstellen, wird dokumentiert.

Der Standort hier wird gesichert und unsere Zielsetzung, dass Rapid und Hütteldorf eine Einheit darstellen, wird dokumentiert.

Rudolf Edlinger

War die heutige Entscheidung für Sie überraschend, oder wussten sie schon im Vorhinein davon?

Selbstverständlich, es wurde ja mit uns geplant. Nur, dass es exakt heute ist, war abhängig vom Stadtsenat. Niemand konnte wissen, ob die heute im Stadtsenat das beschließen. Es ist ja in Wien keine 'monokolore' Regierung mehr. Es musste ja innerhalb der Regierungskoalition eine Vereinbarung zwischen Rot und Grün getroffen werden. Das kann man nicht voraussagen. Nach meiner Information hat man sich Montag um ein Uhr nachts darauf geeinigt, dass es am Dienstag-Vormittag auf die Tagesordnung gekommen ist.

Wie lange mussten Sie auf den Entscheid warten?

Es war ganz normal vorbereitet, es haben alle gewusst. Nur wie dann eine Entscheidung in einem Gremium ausfällt - ich kenne die Politik, da kann Verschiedenes passieren. Jetzt ist der Stadtsenatbeschluss da, jetzt kann ich mir nicht vorstellen, dass der Gemeinderat einen Stadtsbeschluss nicht beschließt. Weil es dort die gleiche Mehrheit gibt.

Wird man jemals erfahren, wie viel der Umbau der SK Rapid kosten wird? Geht man dabei transparent vor?

Das werden wir zeitgerecht sagen. Jede Zahl, die ich jetzt sage, ist Kaffeesud. Es kommt auch darauf an, wie macht man etwas. Male ich den VIP-Klub nur aus, oder verlege ich Marmor - nur als Beispiel.

Ist es fix, dass die Ecken im Hanappi-Stadion zugemacht werden?

Da stellt sich die Frage, ob das geht. Das ist eine Kostenfrage, da man die Dächer versetzen muss. Das liegt an der Statik, da die Dächer bei uns nicht auf den Tribünen aufsitzen. Das steht wie eine Hängebrücke.

Auch ein dritter Rang ist nicht ausgeschlossen.

Rudolf Edlinger

Ist ein dritter Rang ausgeschlossen?

Ausgeschlossen ist es nicht, es gibt solche Überlegungen. Aber die Leute sind dann schon sehr weit weg. Das sind Frage der Architekten.

Wie schnell wollen sie eine Entscheidung der Architekten?

In dem Moment, wo wir Eigentümer sind. Das sind wir ab 1. Juli 2012. Mit dem letzten Spiel der Saison 2012/2013 wollen wir Baubeginn haben. Nach Schätzungen der Baudirektion Wien ist der Umbau in elf bis 13 Monaten herstellbar. Da würde man maximal eine Saison im Hanappi verlieren. Da muss dann zügig gebaut werden und man könnte keine Rücksicht auf den Spielplan der Bundesliga nehmen.

Kann man damit rechnen, dass man die komplette Saison in dem anderen Stadion spielt?

Das kann ich noch nicht sagen. Vielleicht können Sie mich in einem halben Jahr noch mal fragen? Dann weiß ich alles genau, dann haben wir einen exakten Zeitplan.

Stichwort Europa-League. Würde man trotz des Ausbaus noch ins Happel-Stadion ausweichen?

Das kommt auf die Gegner an. Wenn wir solche Gegner wie beim letzten Mal bekommen (Gegner waren etwa der HSV, Besiktas Istanbul, FC Porto, Celtic Glasgow, Anm.), dann werden wir ins Happel-Stadion ausweichen, weil wir dann 50.000 Rapid-Fans die Möglichkeit bieten können, dass sie das Spiel sehen und nicht "nur" 20.000 oder 22.000 Zusehen, je nach dem, wie viel dann in das neue Hanappi gehen. Sind es weniger attraktive Gegner, werden wir im Hanappi genug Platz vorfinden. Die Qualifikationsspiele haben wir ja auch immer hier ausgetragen. Das entscheiden wir von Fall zu Fall. Stellen sie sich vor, wir werden gegen den FC Barcelona gelost.

Wie sieht es bei den Derby aus?

Da werden schon wieder Märchen erzählt. Wir haben gesagt, die beiden nächsten Heimspiele gegen die Austria finden im Happel-Stadion statt. Danach kehren wir wieder ins Hanappi-Stadion zurück. Wir haben die Auflage vom Senat, wenn 'nur' eine Kleinigkeit passiert, gibt es Geisterspiele. Auch eine Kleinigkeit passiert schnell. Daher habe ich entschieden, dass die ersten beiden Spiele, was eine Grundlage zur Reduzierung der Geisterspiele war, im Happel-Stadion stattfinden.

Ich dachte, mir fallen die Augen raus. Solche Kabinen habe ich zum letzten Mal beim FC Barcelona gesehen, als ich dort bei einer Exkursion als Finanzminister dabei war.

Rudolf Edlinger

Sie sprachen von der Nachhaltigkeit der Euro 2008-Projekte im Prater. Wie war das gemeint?

Sie müssen sich diese Kabinen, die wir dort bekommen ansehen. Ich dachte, mir fallen die Augen raus. Solche Kabinen habe ich zum letzten Mal beim FC Barcelona gesehen, als ich dort bei einer Exkursion als Finanzminister dabei war. Das ist Luxus. Natürlich müssen wir verschiedenes adaptieren. Wir brauchen Therapieräume, Kraftkammer, Wäscherei. Diese Adaptierungen macht allerdings der Betreiber, dort sind wir nur Mieter.





Rapid - Austria: "Wir brauchen einander"

Vor dem 300. Wiener Derby erklären die Klub-Bosse Edlinger und Katzian die Bedeutung der Rivalität.

Wie lautet die Farbenlehre eines Derbys? Grün (Rapid) + Violett (Austria) = Rot (SPÖ). In der Gewerkschaftszentrale der GPA spielen Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger und Gewerkschaftsboss Wolfgang Katzian vor dem 300. Wiener Derby für den KURIER den präsidialen Doppelpass.

KURIER: Können Sie sich noch an Ihr erstes Derby erinnern?

Wolfgang Katzian: Ich war 13 und schon Austrianer, als ich 1969 mit meinem Vater das legendäre 6:0 gesehen habe.

Rudolf Edlinger: Ich wurde Rapidler wegen meines Onkels. Er hat im Rapid-Nachwuchs gespielt und mich auf die Pfarrwiese mitgenommen. Mein erstes Derby war das legendäre 7:5 von 1950.

Warum wird Ihr Klub das 300. Derby gewinnen?

Katzian: Wir sind gut gestartet, haben einen hungrigen Trainer. Und alle wollen beweisen, dass es auch ohne Junuzovic und Barazite geht.

Edlinger: Ganz einfach: Weil wir besser sind.

Ist das 300. Derby etwas Besonderes?

Edlinger: Ein Jubiläum ist immer etwas Besonderes. Und wir werden mehr Zuschauer haben als im St. Hanappi, oder im ... ( grinst Katzian an ) wie heißt euer Stadion jetzt? Ich vergess` das immer.

Sind Sie stolz, Austria-Präsident bei der Nr. 300 zu sein?

Katzian: Ich bin generell stolz, Austria-Präsident zu sein. International gibt es nicht so viele Stadtderbys wie in Wien. Rapid – Austria ist ein Stück Sportkultur dieser Stadt.

"Dann hat das Spiel die Stimmung einer Kinderjause."

Waren Derbys früher brisanter als jetzt?

Katzian: Brisant waren Derbys immer. Ich bin aufgewachsen mit einer Derbykultur, wo der Schmäh g`rennt ist. Die extreme Aggressivität unter den Fans ist jetzt anders.

Edlinger: Man glorifiziert gerne die Vergangenheit. Emotionen hat es immer gegeben, bei den Fans hat sich aber leider ein Aggressionspotenzial entwickelt. Hier werden Individualprobleme in eine Masse eingepackt.

Gibt es dafür Lösungen?

Katzian: Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem. Ich finde es billig, wenn gefordert wird: Die Vereine müssen ihre Fans in den Griff bekommen, ohne an das Rundherum zu denken. Wir investieren sehr viel in diese Arbeit, haben rechtsextreme Umtriebe gemeldet. Und dann hörst du von der Justiz, das wäre nur eine besoffene Geschichte gewesen.

Fühlt sich auch Rapid von Legislative und Exekutive im Stich gelassen?

Edlinger: Einerseits gebe ich dem Kollegen Katzian recht. Umgekehrt schießt die Justiz auch manchmal übers Ziel. Wenn eine zu verurteilende Aktion am Westbahnhof als Landfriedensbruch judiziert wird und selbst Leute, denen man nichts beweisen kann, verurteilt werden, dann finde ich das überzogen. Auf jeden Fall will ich keine englischen Verhältnisse.

Warum?

Edlinger: Weil über den Ticketpreis der Zugang ins Stadion geregelt und einzelne Schichten ausgeschlossen werden. Dann hat das Spiel die Stimmung einer Kinderjause.

"Außerdem können wir einen großen Klub nicht mit der Struktur eines Kegelvereins führen."

Welche Bedeutung hat der Erzrivale für Sie?

Edlinger: Wir brauchen einander. Rapid braucht die Austria und umgekehrt. Es ist ja d a s Derby. Ohne den Zweiten fehlt die Brisanz. Wenn die Austria am Abgrund stünde und ich könnte helfen, würde ich es tun. Dafür sage ich auch deutlich: Ohne die stille Unterstützung von Michael Häupl, als die Bank Austria ausgestiegen ist, würde es Rapid nicht mehr geben. Auch wenn der Herr Bürgermeister ein Violetter ist. Aber nicht jeder kann etwas von Fußball verstehen (lacht).

Die Stadt Wien ist eine Lebensversicherung für beide?

Katzian: Nach Stronach hat uns natürlich die Stadt Wien bei der Akademie geholfen. Das war für die Lizenz unbedingt notwendig! Allein hätten wir die Situation nur schwer gemeistert.

Edlinger: Zum einen helfen die Städte und Gebietskörperschaften überall. Zum Zweiten darf es nicht so wirken, als wären Klubs Parasiten. Rapid ist auch ein großer Steuerzahler mit über zehn Millionen Euro pro Jahr.

Katzian: Abgesehen von unserer Leistung an der Gesellschaft. Wir erfüllen auch einen sozialen Auftrag.

Wie weit funktioniert ein Fußballklub wie ein Wirtschaftsbetrieb?

Katzian: Ohne Strukturänderung zur AG hätte ich das Präsidentenamt nicht angenommen. Ich kann nicht ein voll haftender Präsident sein und gleichzeitig meinem Beruf nachgehen. Außerdem können wir einen großen Klub nicht mit der Struktur eines Kegelvereins führen.

Edlinger: Wir sind schon ein klassischer Verein, der allerdings seine wirtschaftlichen Tätigkeiten ausgelagert hat.

Zeitlich versetzt sind und waren negatives Eigenkapital und Spielerverkäufe bei beiden Klubs ein großes Thema. Geht es nur so?

Edlinger: Das ist auch international üblich. Ich möchte einen Betrieb unserer Größe sehen, der völlig ohne Fremdkapital arbeitet.

"Jetzt ist die Austria wieder ein würdiger Gegner."

Ist der Fußball politisch?

Katzian: Fußball wurde durch die Politik oft instrumentalisiert, da wurden sogar Kriege darauf aufgehängt. Mir ist bei der Austria wichtig, dass Parteipolitik keine Rolle spielt.

Edlinger: Mir auch. Im Klub sollten die Leute in erster Linie Rapidler sein, erst in zweiter Linie politisch aktiv. Und da haben wir von fast allen Parteien jemand dabei.

Katzian: Wir auch.

Edlinger: Wir integrieren Migrantenkinder. Der Fußball ist ein Transportmittel, um gesellschaftspolitische Ziele wie Toleranz und Anti-Rassismus zu erreichen.

Katzian: Der Fußball kann auch lehren, dass es Rivalität gibt, ohne sich zu prügeln. Insofern ist der Fußball sicher politisch.

Was war die für Sie schwierigste Situation im Amt?

Katzian: Das war sicherlich im Frühjahr 2011, mich nach dem 0:4 im Cup gegen Lustenau an den Zaun zu den erbosten Fans zu stellen. Es war auch kein Leichtes, gegen Bilbao zum Mikrofon zu greifen, damit der bevorstehende Spielabbruch noch verhindert wird.

Edlinger: Wirklich tief getroffen hat mich der Platzsturm vom 22. Mai. Ich habe für vieles Verständnis – aber da wurde der Rubikon, also die Grenze zum Spielfeld, überschritten. Noch dazu mit einer sinnlosen Aktion, die Rapid großen Schaden zufügte, auch wirtschaftlich. Nach diesem brutalen Schlag gegen den Klub und das Bemühen seiner Führung habe ich meinen Rücktritt überlegt.

Was sagen Sie zum Boykott der organisierten Fans?

Edlinger: Ich bin ja absolut für das Hanappi-Stadion, aber diese Fans vergessen Entscheidendes: Wenn in den beiden Heim-Derbys etwas passiert, gibt’s noch ein Geisterspiel. Das wäre ruinös! Und im Happel-Stadion sind durch die Weite Probleme viel weniger wahrscheinlich.

Was würden Sie als Präsident nie durchgehen lassen?

Katzian: Es muss wirtschaftlich alles sauber bleiben. Ich habe nach Stronach gesagt, wir machen alles anders, aber sein Controlling bleibt. Und: Ich kämpfe gegen Rechtsextremismus.

Edlinger: Ich stimme voll zu.

Worum beneiden Sie Ihr Gegenüber?

Katzian: Ich beneide ihn um nichts, aber ich bewundere ihn für seine hervorragende Arbeit bei Rapid.

Edlinger: Ich schätze den Herrn Katzian sehr. Er hat die Austria aus der Umklammerung unter Stronach, von dem nichts Nachhaltiges geblieben ist, befreit. Diese Auslieferung eines Klubs an einen großen Geldgeber zerstört die Fan-Bindung und auch den Fußball-Markt.

Katzian: ... und die eigene Klubgeschichte.

Edlinger: Jetzt ist die Austria wieder ein würdiger Gegner.