Freitag, 1. Januar 2016
Nochmal Nachdenken
A555 – Europas erste Autobahn hat GeburtstagWarum Hitler nicht die Autobahnen erfunden hat
Vor 80 Jahren (mittlerweile fast 84 Jahren Anm.d.Red) wurde Europas erste Autobahn eingeweiht, und zwar nicht von Adolf Hitler, sondern von Konrad Adenauer. Die A555 existiert noch heute, doch das Tempolimit ist strenger als vor 80 Jahren.
Die Nazis und die Autobahnen – dieses Bild hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und führte dazu, dass viele Hitler für den Erfinder des Autobahnnetzes halten. Dabei schlachtete der Diktator den Ausbau der Fernstraßen, eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, nur medienwirksam aus. Denn die älteste Autobahn Europas, die A555 zwischen Köln und Bonn, feiert in diesem Jahr schon ihren 80. Geburtstag. Im August 1932, also lange vor Hitlers Machtergreifung, wurde die Strecke vom damaligen Oberbürgermeister der Stadt Köln, Konrad Adenauer, für den Verkehr freigegeben.
Gewaltige ABM-Maßnahme
Beschlossen wurde der Bau 1926, die Arbeiten begannen 1929. Der Bau kostete 8,6 Millionen Reichsmark. Wie später bei Hitler, war der Bau schon damals eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der Weltwirtschaftskrise gewesen. Es sollten möglichst viele Arbeiter beschäftigt werden, deshalb war auch der Einsatz von schweren Maschinen untersagt.
Die A555 bekam später den Spitznamen „Diplomatenrennbahn“. Warum, erklärt der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen NRW): „Es gab die Legende, dass ausländische Diplomaten und Staatsbesucher bei ihren Aufenthalten in Bonn gerne einmal mit ihren Dienstwagen den Weg nach Köln und zurück mit Höchstgeschwindigkeit zurücklegten“, so ein Sprecher von Straßen NRW. Kurios ist übrigens, dass auf der ältesten Autobahn Europas ursprünglich ein großzügigeres Tempolimit galt als heute. Die „Kraftwagenstraße“ war von Anfang an auf eine Geschwindigkeit von 120 km/h ausgelegt. „Erst seit 2004 gilt bei Wesseling das heutige Tempolimit von 100 km/h in Richtung Bonn und 80 km/h in Richtung Köln“, heißt es bei Straßen NRW.
Nachdenken
Mythos Trümmerfrauen: Den Schutt räumten in Wirklichkeit andere weg
Ganz selbstverständlich prägen sie unser Bild von der Nachkriegszeit: „Trümmerfrauen“, die freiwillig und mit unermüdlichem Einsatz Steine schleppten und Deutschlands zerstörte Städte von Schutt befreiten. Doch so schön die Geschichte klingt, sie ist nichts weiter als ein Mythos.
- Eine Medienkampagne schuf den Mythos im Nachkriegs-Berlin.
- In der DDR galt die „Trümmerfrau“ als Ikone der Gleichberechtigung.
- Seit den 1980er-Jahren steht der Begriff für eine ganze Generation.
Sie gelten als Symbol des Wiederaufbaus in Deutschland: Nach dem Zweiten Weltkrieg räumten angeblich Heerscharen von „Trümmerfrauen" den Schutt der zerbombten Städte weg – freiwillig und aufopferungsvoll. In der Trostlosigkeit der Nachkriegszeit hätten sie, so heißt es gern, dem Land neue Hoffnung gegeben und den Grundstein für das spätere „Wirtschaftswunder" gelegt.
Tatsächlich ist diese Geschichte der Trümmerfrauen eine erfundene Legende. In Wirklichkeit beteiligten sich relativ wenige Frauen an den Aufräumarbeiten in den Städten – und diejenigen, die es taten, schufteten in der Regel nicht aus eigenem Antrieb. Zu diesem Schluss kommt die Historikerin Leonie Treber, die sich in ihrem Buch „Mythos Trümmerfrauen" ausgiebig mit der Thematik beschäftigt hat. Eine Erkenntnis, von der sie laut eigener Aussage selbst überrascht war.
Von den Medien als Vorbilder gefeiert
Seinen Ursprung hatte der Begriff „Trümmerfrau" laut Treber in Berlin. 1946 und 1947 mussten dort Arbeitslose Schutt beseitigen, zwangsverpflichtet von den Arbeitsämtern, die ihnen sonst die Lebensmittelkarten gestrichen hätten. 25.000 bis 30.000 von ihnen waren weiblich, offiziell wurden sie als „Bauhilfsarbeiterinnen" bezeichnet. Sie machten gut fünf Prozent aller erwerbsfähigen Frauen in Berlin aus. Das war kein wirklich großer Anteil, aber trotzdem ein noch weitaus höherer als in anderen Städten.
„Tageszeitungen und Frauenzeitschriften feierten die Berliner Arbeiterinnen damals als Vorbilder und sprachen von ihnen respektvoll als Trümmerfrauen", erläutert die Historikerin. „Sie verliehen ihrer Tätigkeit damit Ehrbarkeit und Sinn." Denn bis dahin habe es als Strafe gegolten, Bauschutt wegzuräumen. In den Kriegstagen hätten unter anderem Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge Bombenschäden beseitigen müssen. Und nach der Kapitulation seien es zunächst deutsche Kriegsgefangene und ehemalige NSDAP-Mitglieder gewesen, die sich an Aufräumarbeiten beteiligen mussten.
In der Bundesrepublik passte die Trümmerfrau nicht zum Rollenbild der 50er
Ein Mythos war geboren, der eine enorme Wirkung entfalten sollte. „In der DDR wurde die Trümmerfrau zu einem elementaren Bestandteil der Erinnerungskultur", sagt Treber. „Sie galt als Vorbild für Frauen, die in Männerberufen arbeiteten, und als Symbol der Gleichberechtigung."
In der Bundesrepublik dauerte es allerdings noch, bis der Mythos populär wurde. Passte die Trümmerfrau doch nicht so recht zum Rollenbild der 1950er-Jahre, demzufolge die Frau lieber am heimischen Herd zu stehen hatte, statt sich in Männerberufen zu betätigen. Erst in den 1980er-Jahren sollte sich das ändern, als Frauengeschichtsschreibung und Rentendebatten die Legende von den Trümmerfrauen und ihren selbstlosen Leistungen aus der Versenkung holten.
Den Schutt beseitigten Bauarbeiter mit schwerem Gerät
„Verwendet wurde der Begriff nun nicht mehr nur für die Bauhilfsarbeiterinnen in Berlin und einigen anderen Städten, sondern für eine ganze Frauengeneration, die Trümmer weggeräumt, Kinder großgezogen, Schlange gestanden und gehamstert habe", sagt Treber. „Kurz: für eine Generation, die den harten Alltag der Nachkriegszeit gemeistert habe."
Den Großteil des Schutts beiseite geschafft haben indes andere. Gerade in den Westzonen kümmerten sich ums Aufräumen in der Regel Bauarbeiter mit schwerem Gerät. Was auch zeigt, wie vergleichsweise unbeschadet viele Unternehmen den Krieg überstanden hatten. Ab Mitte der 1950er-Jahre waren die meisten Städte der Bundesrepublik weitgehend von Trümmern befreit.
Hm
Abu Bakr al-Baghdadi, Führer der Terrormiliz Islamischer Staat, rief in einer Botschaft seine Leute zum Durchhalten auf. Die Indizien für eine grundsätzliche Schwächung des Terrorreichs mehren sich.
Alfred Hackensberger (Die Presse)
Bagdad. Er galt schon als tot oder schwer verwundet. Lange Zeit war von Abu Bakr al-Baghdadi, dem 44-jährigen Führer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), nichts zu hören. Nun soll der selbsternannte Kalif eine Audiobotschaft veröffentlicht haben, die auf einschlägigen Internetseiten verbreitet wird. Es ist ein 24-minütiger Sermon, in dem er sich über die internationale Anti-IS-Koalition lustig macht und Israel bedroht.
Die USA und die anderen Länder seien demnach zu feige, um Bodentruppen in den Irak und nach Syrien zu schicken, „weil ihre Herzen voller Angst vor den Gotteskriegern“ seien. Der IS habe Israel im übrigen nicht aus dem Blickfeld verloren, wie die Juden glauben mögen, heißt es in der Botschaft. „Oh nein, wir haben Palästina nicht vergessen und werden es auch nie tun.“
„Habt Geduld, denn Gott ist mit euch“
Trotz neuer Drohgebärden und gewohnter Abfälligkeiten gegenüber IS-Gegnern: Die neue Botschaft hat letztlich nur den Zweck, die Moral der Kämpfer zu stärken. „Soldaten des Islamischen Staats, seid geduldig, denn ihr befindet euch auf dem richtigen Weg“, sagt die Stimme, die von IS-nahen Internetseiten als jene al-Baghdadis identifiziert wurde. „Habt Geduld, denn Gott ist mit euch.“
Die Botschaft kommt nicht zufällig gerade jetzt. Denn die Kämpfer benötigen – und das wie nie zuvor – moralischen Beistand. Ihre Geduld und ihr Glaube an Allahs Unterstützung für ihren Feldzug dürften allmählich aufgebraucht sein. Die Bomben der internationalen Koalition haben allein heuer tausende IS-Kämpfer getötet. Zudem hat das Schlachtenglück den IS in den vergangenen Monaten verlassen. Mit Propaganda versucht seine Medienabteilung, den Ruf einer unbezwingbaren Truppe aufrechtzuerhalten. „Mehr als 30 Polizisten“ habe ein „Team von fünf Selbstmordattentätern“ in der irakischen Stadt Ramadi getötet, hieß es vor wenigen Tagen großspurig im Internet. In Wirklichkeit waren es nur vier Polizisten, die verwundet worden waren, wie die irakische Militärführung klarstellte.
Wichtiger Sieg für Iraks Streitkräfte
Überdies dürfte Iraks Armee den IS am Sonntag praktisch gänzlich aus dieser wichtigen Stadt westlich von Bagdad vertrieben haben, im Zuge einer seit Wochen anhaltenden Offensive, die für das schwer angeschlagene Militär des Landes zur Prestigefrage geworden ist. Ramadi war die wohl letzte Chance, um nach einer Serie teils unglaublicher Niederlagen die arg ramponierte Reputation der Armee wiederherzustellen. Ramadi etwa war im Mai von seiner Garnison – mehr als 5000 Soldaten – fluchtartig verlassen worden, als einige hundert IS-Kämpfer in die Stadt vorgerückt waren.
Der IS ringt um positive Nachrichten, die Fanatiker geraten im Irak zunehmend unter Druck. Mit Ramadi hätten die Extremisten nach Tikrit, Badschi und Sinjar heuer schon die vierte irakische Stadt verloren. Wobei die Einnahme Ramadis, für die es am Sonntagabend noch keine unabhängige Bestätigung gab, der Sieg mit größerer Symbolkraft wäre: die Stadt am Euphrat ist kein beliebiger Ort, sondern Hauptstadt der Provinz Anbar, die als Machtbasis des IS gilt.
Und der Terrororganisation droht jetzt noch weit größerer Ärger: Sobald Ramadi erobert sei, versicherte Iraks Premierminister Haidar al-Abadi, soll Mossul zurückerobert werden. Dort, im Norden des Landes, hat al-Baghdadi im Juni 2014 das Kalifat ausgerufen. Seit Monaten stehen in der Region Truppen bereit und warten auf den Einsatzbefehl.
Die Audiobotschaft von IS-Führer al-Baghdadi appelliert nicht umsonst an die Geduld seiner Kämpfer. Denn die Zeichen der Zeit scheinen zusehends schlecht für die Terrororganisation zu stehen.
Vom Strom abgeschnitten
Im Irak ist sie auf dem Rückzug, jedoch auch in Syrien scheint sich das Blatt zu Ungunsten der Fanatiker zu wenden. Dort haben am Donnerstag die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) eine neue Offensive gegen den IS gestartet. Bereits nach vier Tagen hatte die Militärallianz aus Kurden und arabischen Milizen ihr Ziel erreicht. Sie eroberte den Tischrin-Damm am Euphrat, etwa 110 Kilometer südlich von Kobane – also jener Stadt hart an der türkischen Grenze, die der IS im Zuge einer monatelangen Schlacht gegen kurdische Truppen (Herbst 2014 bis Frühjahr 2015) nicht einnehmen konnte.
Damit kontrollieren die SDF die Elektrizität, die in die IS-Gebiete Nordsyriens fließt, aber noch entscheidender: Raqqa, die Hauptstadt des „Kalifats“, ist von mehreren wichtigen Nachschubrouten abgeschnitten. Für die SDF ist die Kontrolle des Tischrin-Dammes ein weiterer Baustein ihrer Strategie für einen gelungenen Großangriff auf das nur 100 Kilometer entfernte Raqqa.
Dem Kalifat geht es also nicht so gut, wie al-Baghdadi in seiner Botschaft behauptet. Es ist zu bezweifeln, dass „Muslime weltweit“ seinem neuen Appell Folge leisten und sich in Scharen an der Schlacht „gegen alle Ungläubige“ beteiligen werden. Wer auf der Verliererstraße ist, hat wenig Anziehungskraft – selbst dann nicht, wenn er behauptet: „Wir werden in jedem Fall siegen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2015)
Und dann hats "Bumm" gemacht (oder doch nicht)
München: IS plante laut Polizei Silvester-Attentat
Der Hauptbahnhof und der Bahnhof Pasing wurden in der Nacht evakuiert. Mittlerweile sind beide wieder offen, die Polizei bleibt aber in Alarmbereitschaft.
(DiePresse.com)
Nach der Terrorwarnung in München bleibt die Polizei dort auch zu Neujahr vorerst in Alarmbereitschaft. Es gebe nach wie vor eine "hohe Terrorgefahr", sagte ein Polizeisprecher am Freitagvormittag. Der Hauptbahnhof und der Bahnhof im Stadtteil Pasing seien seit 03.30 Uhr zwar wieder geöffnet, es gebe dort aber verstärkte Kontrollen.
Nach Behördenangaben hatte die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu Silvester einen Selbstmordanschlag in der bayerischen Landeshauptstadt geplant.
Der Hinweis kam nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von einem "befreundeten Nachrichtendienst". Die Hinweise hätten sich zwar nicht konkretisiert, sie seien aber ernst zu nehmen gewesen, begründete der Polizeisprecher das Vorgehen der bayerischen Behörden. Die Ermittlungen dauerten an.
Laut Bayerischem Rundfunk kamen die Hinweise zunächst aus den USA, später auch aus Frankreich. Bei den mutmaßlichen Attentätern soll es sich demnach um sieben namentlich bekannte Iraker handeln, die sich paarweise an den Anschlagsorten kurz hintereinander in die Luft sprengen wollten. "Die Hinweise, die wir vom Bundeskriminalamt erhalten haben, bezogen sich auf geplante Selbstmordanschläge am Münchner Hauptbahnhof und/oder am Bahnhof Pasing", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann: "Der Hinweis bezog sich ganz konkret auf eine Tatausführung um Mitternacht"
(APA/DPA)
Abonnieren
Posts (Atom)

